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20. November 2014

Tag der Bauwirtschaft am 20.11.2014 in Hannover

Rückblick - "Die Zeit ist reif": Bau- und Ausbauhandwerk mahnt konkretes Handeln an!

 

„Die Zeit ist reif“:

Bau- und Ausbauhandwerk mahnt konkretes Handeln an!

 

„Jetzt ist eine gute Gelegenheit, endlich Nägel mit Köpfen zu machen!“

Mit dieser Botschaft wandte sich der Präsident der Landesvereinigung Bauwirt­schaft, Rainer Lorenz, an die ca. 450 Gäste des 6. Tages der Bauwirtschaft 2014 im Congress Centrum in Hannover. Lorenz zitierte mit dieser Bemerkung den niedersächsischen Minister­präsidenten Weil, der sich vor zwei Wochen dafür ausgesprochen hatte, die von Finanzminister Schäuble zusätzlich zur Verfügung gestellten Investitionsmittel für die steuerliche Absetzbarkeit von energetischen Sanierungsmaßnahmen zu verwenden.

 (Rainer Lorenz, Präsident der LV-Bau)

„Es ist ein Fehler, dass die große Koalition bislang dieses Instrument zur Beschleu­nigung der Energiewende nicht eingesetzt hat – dieser Fehler muss nun endlich korrigiert werden!“, so Lorenz. „95 % des aktuellen Wohngebäudebestands ist vor 2002, also vor dem Inkrafttreten der ersten Energieeinsparverordnung gebaut wor­den – 75 % dieser Gebäude sind aber nicht oder nicht ausreichend modernisiert. Es müssten z.B. ein Drittel aller Heizkessel in Deutschland ausgetauscht werden“. Der Verbraucher halte sich aber nach wie vor mit Sanierungsvorhaben zurück und daher habe die Bundesumweltministerin Anfang November eingeräumt, dass die im Koali­tionsvertrag angestrebten Energieeinsparziele nicht erreicht werden. „Die Zeit ist also offensichtlich reif zum Handeln!“, so Lorenz und wandte sich an als Festredner geladenen Umweltminister Stefan Wenzel: 

„Wenn die Bundesregierung Anfang Dezember ihr Klimaschutzaktionsprogramm verabschiedet, muss die Absetzbarkeit ein Baustein sein – wir hoffen daher, dass sich die niedersächsische Landesregierung in Berlin durchsetzen kann!“ Es sei mitt­lerweile unstreitig, dass die mit der Absetzbarkeit zunächst verbundenen Steuer­ausfälle durch die Einnahmen im Steuer- und Sozialversicherungsbereich deutlich überkompensiert würden. 

Der als Festredner eingeladene Umweltminister Stefan Wenzel bekannte sich zu den Aussagen des Ministerpräsidenten, sprach von einem gemeinsamen Projekt und ordnete die steuerliche Absetzbarkeit energetischer Sanierungsmaßnahmen als „gute Initialzündung“ ein.

 

  (Stefan Wenzel, Umweltminister)

Als weiteres Themenfeld, bei dem das Bau- und Ausbauhandwerk nun ein tatsächliches Tun erwarte, sei die Zukunft des Meisterbriefes. „Allein die mittlerweile oft gehörte Aussage, dass der Meisterbrief erhalten bleiben muss, nützt uns nichts!“ stellt Lorenz klar. Dieser Satz trage das Risiko in sich, dass sich diejenigen durchsetzen, die den Meisterbrief nur als zusätzliches Instrument  neben einer europaweit einheit­lichen neuen, Berufszugangsregelung bestehen lassen wollen. Diese von Brüssel betriebene Aufweichung gehe klar zulasten des Verbraucherschutzes und der Ausbildungsfähigkeit der Betriebe.

Als weiteren Schwerpunkt für politisches Handeln nahm Lorenz Bezug auf die von der Landesregierung geplante Evaluation des Tariftreue- und Vergabegesetzes. Das Bau- und Ausbauhandwerk begrüße, dass nicht nur die Auftraggeber sondern auch die Betriebe nach ihren Erfahrungen mit dem Gesetz befragt werden sollen. Wichtig sei allerdings, dass nicht nur nach der Einhaltung der Umwelt- oder Sozialkriterien gefragt werde, sondern dass das der gesamte Regelungsinhalt des Gesetzes bei der Evaluation berücksichtigt werde. So gehe es auch darum zu erfragen, ob denn z.B. die Kommunen überhaupt bereit seien, für umweltfreundlicheres Material auch mehr Geld auszugeben. Wichtig sei auch die Frage nach der Einhaltung der im Gesetz vorhandenen Kontrollmechanismen, um schwarze Schafe herauszufiltern.

 (v.l.n.r.: Hrn. Stefan Wenzel, Mike Schneider, Dennis Behrens, Hr. Behrens sen.,
Ausbilder von Hr. Voigt, Florian Voigt, Volker Rosenberg, Rainer Lorenz)

Vor seiner Rede ehrte der niedersächsische Umweltminister Wenzel  gemeinsam mit dem Präsidenten der Landesvereinigung Bauwirtschaft Lorenz und dessen Stell­vertreter Mike Schneider drei niedersächsische Leistungsträger der Handwerks­nachwuchses: Zum einen den Silbermedaillengewinner der europäischen Hand­werksmeisterschaften, den EuroSkills, Volker Rosenberg vom Fliesenfachgeschäft Georg Ahrends in Norden, den deutschen Bundessieger der Maurer im praktischen Leistungswettbewerb 2014, Florian Voigt von der Albert Holzkamm GmbH aus Verden und den deutschen Bundessieger der Beton- und Stahlbetonbauer im prakti­schen Leistungswettbewerb 2014, Dennis Behrens von der Firma BECO aus Scheeßel, Rotenburg/Wümme.

 

   Der zweite Festredner, Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, gab den Anwesenden in seinem lebhaften Vortrag zum Thema „Geld und Heim- Glück allein ?“ interessante Einblicke zur Frage, „Wer wird morgen in den Immobilien von heute wohnen und wie müssen wir heute bauen?“ Neben seinen statistischen Preisrätseln amüsierte er die Anwesenden mit seinem launiges Fazit: Demographie ist doch immer wieder überraschend: Das was kommt, ist eigentlich etwas, was schon war und damit gewesen ist, obwohl es noch kommt. Und für die Bauwirtschaft kommt es auch anders als gedacht!


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